Rezensent Paul Ingendaay begibt sich freudig mit Erling Kagges Erinnerungen auf eine Reise zum Nordpol. Wobei die Polarexpedition auf Skiern und ohne weitere Unterstützung, die Kagge gemeinsam mit zwei Freunden 1990 unternommen hat, in diesem Buch, keine allzu große Rolle spielt, erfahren wir. Nur immer mal wieder kommt Kagge auf seine eigene Nordpolerfahrung zu sprechen, ansonsten konzentriert er sich Ingendaay zufolge auf die Faszination der Menschheit für den Nordpol - im Zentrum des Buches steht also weniger der geografische als der imaginäre Nordpol, der Nordpol im Kopf derer, die ihn suchen. Mit Kagge rekapituliert Ingendaay einige der Stationen und Protagonisten dieser Faszination, wir erfahren von Expeditionen via Ballon, Schiff, Schlitten und mehr, von wissenschaftlichen Nordpolforschern wie Constantine Phipps, von Nordpolstars wie Horatio Nelson, von unglücklich verlaufenden Touren wie der William Parrys. Auch der Medienhype um den Nordpol wird thematisiert, so Ingendaay, am besten kommt von allen Nordpolsuchern Fridtjof Nansen weg, der erkannte, dass man die Natur nicht besiegen, sondern sich in sie einfügen muss. Man kommt der Faszination, die der Nordpol ausmacht, ziemlich nahe in diesem Buch, findet der Rezensent - was umso wichtiger sei, als die Schönheit der Polarregion vom Klimawandel bedroht wird.