Hannah Lühmanns Roman beschäftigt sich laut Rezensentin Jette Wiese mit dem Thema Tradwifes, also mit sehr konservativen Frauen, das oft auch auf den sozialen Medien propagieren. Hauptfigur ist Jana, eine junge Mutter, die mit ihrem Mann aus einer Groß- in eine Kleinstadt zieht, ihren Job kündigt und Eheprobleme hat. Gut gefällt Wiese, wie Lühmann das Kleinstadtleben darstellt, das Misstrauen zum Beispiel, das dieses mit sich bringt, die Unsicherheiten, die es bei Jana hervorruft. Die Tradwifes kommen über Karolin ins Spiel, eine Frau im Ort, die Wiese kennenlernt und die die typischen Szenecodes bedient, vom Jeep bis zur Barbour-Jacke - und deren Leben Jana zunächst sehr erstrebenswert erscheint, wie Wiese beschreibt. Später zeigt sich jedoch, dass sich hinter Karolines souveräner Fassade ein autoritär auf den Ehemann zugeschnittenes Familienleben verbirgt, sol liest die Kritikerin das Buch auch als Abrechnung mit dem Tradwifes-Trend. Weiterhin geht es um Janas Orientierungslosigkeit, mit den Mechanismen, die dafür sorgen, dass sie die Tradwifes für eine echte Alternative zu halten beginnt und sich auch in anderen Fragen rechten Positionen annähert. Wie Wiese zu Lühmanns Roman steht, in dem Gefühle oft kaum von Werturteilen zu trennen sind und der Janas Leben vorwiegend in einfachen Hauptsätzen beschreibt, ist nicht immer ganz klar, gegen Ende kritisiert sie die polemische Schlagseite des Buches. Mit Interesse gelesen hat die Rezensentin das alles aber schon.