Rezensentin Sandra Kegel betritt mit Yasmina Rezas "Die Rückseite des Lebens" ein "atemberaubendes" literarisches "Kabinett des Schreckens". Darin versammelt sind etliche, fragmentarisch geschilderte Gerichtsfälle, erklärt Kegel, die an Brutalität und Absurdität kaum zu übertreffen sind und die keinerlei Schnörkel, Reflexionen oder Ausführungen bedürfen, um ihre Wirkung zu entfalten. Diese knapp und nüchtern beschriebenen Fälle sind ebenso real wie die kurzen, intimen Einblicke in Rezas Alltagsleben, mit denen die Autorin das Grauen unterbricht und die absurde Gleichzeitigkeit verdeutlicht - des Schreckens und des Alltäglichen, des Tragischen und des Komischen, das sich auch in vielen der Fälle selbst äußert. Manchmal wirkt dieses Gefüge, diese Verbindung von "allem mit allem" etwas willkürlich. Im besten Fall allerdings gelingt es der Autorin, aus den Kontrasten, Funken "universeller Wahrheit" zu schlagen, die in den Lücken der Erzählung zünden können, so die beeindruckte Rezensentin.