An Thomas Bernhard muss Daniela Strigl bei der Lektüre von Angela Lehners Romandebüt "Vater unser" unweigerlich denken, nicht nur weil es mit Thomas Bernhards Erinnerungsbuch "Wittgensteins Neffe" den Schauplatz - das Wiener Otto-Wagner-Spital - teilt, sondern auch, weil die Tiraden von Lehners Ich-Erzählerin Eva die Rezensentin an die Gift-und-Galle-Prosa Bernhards erinnern. Eva ist für Strigl der "Prototyp der unzuverlässigen Erzählerin", das schelmisch-trotzige Spiel, das sie mit ihren Therapeuten und Ärzten spielt, erstreckt sich möglicherweise durchaus auch auf die Leserinnen und Leser. Dabei entsteht eine ebenso energiegeladene wie "ironische Milieustudie und ein eigenwilliges Charakterbild", stellt die Rezensentin beeindruckt fest.