Anja Hirsch hat mit Freude den Roman "Das Uhrenstellinstitut" des verstorbenen türkischen Schriftstellers Ahmet Hamdi Tanpinar gelesen. Trotz des streckenweise etwas langsamen Erzähltempos, so berichtet sie, kann sie viel damit anfangen. Im Roman wird die Geschichte des "Uhrenstellinstituts" durch die Augen des unscheinbaren Jungen Hayri Irdal erzählt. In einer Zeit des Umbruchs - der Wandel zwischen spätosmanischem Reich und türkischer Republik, die Tanpinar zutiefst prägte - ist der Junge Chronist gesellschaftlicher Stimmungen. Das Institut wird zusammen mit der Türkischen Republik errichtet, um die Menschen von der Wichtigkeit der genauen Zeit zu überzeugen und Strafen für falsch gehende Uhren einzutreiben, erklärt Hirsch und lobt: Eine "irrwitzige Parabel", mit der Tanpinar die Gesellschaft aufs Korn nimmt und die Politik mit "hintergründiger Satire" kritisiert, wobei Tanpinar durchweg mit großer Leidenschaft für Land und Leute schreibt, wie die Rezensentin betont. Das Buch verrate uns infolgedessen viel über den Autor selbst, der zu Lebzeiten als unpolitischer, konservativer Ästhetiker verkannt wurde, so Hirsch.