Ein augenscheinlich nicht ganz einfaches, aber ungemein gutes Buch hat Martin Krumbholz gelesen. Lars Gustafsson verlangt seinen Lesern nämlich einiges ab. Seinen Text hat er mutwillig mit Leerstellen und Diskontinuitäten versehen und wer ihn lesen will, muss sich "mühsam" einiges zusammen buchstabieren, was dann so etwas "wie eine Geschichte werden könnte". Eine Geschichte um einen Universitätsdekan und seinen Stellvertreter, die möglicherweise einen Mordkomplott geschmiedet haben, um einen unliebsamen Dritten beiseite zu räumen.Vielleicht ist aber auch alles ganz anders. Das Buch präsentiert sich in Form der unvollständigen und chaotischen Aufzeichnungen des Vize, der darin die etwas kruden Thesen des bewunderten Dekans entfaltet. Aber, so stellt der Rezensent fest, das Buch ist kein Thesenroman, sondern ein metaphysischer Rätselroman. Eindeutigkeit soll vermieden werden, denn "nichts ist ohne sein Gegenteil wahr". Das literarische Spiel, das der Autor mit seinen Lesern treibt, gleicht bisweilen einer Rutschbahn, auf der man dem Abgrund oder dem Nichts entgegen rauscht, findet der beeindruckte Kritiker. Die Geschichte, die vielleicht gar keine ist, sei "wunderbar zu lesen, weil in ihr ein beweglicher Geist haust, der einen Haken nach dem anderen schlägt."