Der Band hält nicht, was die Verlagswerbung verspricht, stellt Oliver Pfohlmann fest. Versprochen wurden Fragmente des großen Romans, an dem W.G. Sebald zum Zeitpunkt seines Todes vor anderthalb Jahren arbeitete, informiert Pfohlmann, stattdessen enthält der Band im ersten Teil die (bereits verstreut publizierten) Entwürfe zu einem Buch über Korsika, ein Projekt, das Sebald 1996 bereits aufgegeben habe. Dennoch sei ihre Publizierung begrüßenswert, meint der Rezensent, auch wenn sie sich nicht zu einem Ganzen fügen wollten. Diese Texte Sebalds lesen sich wie "letzte Grüße an seine Leser", schreibt Pfohlmann, zumal sie sich teilweise mit den Begräbnisritualen der Korsen befassen. Im zweiten Teil des Bandes kommt dann der Germanist Sebald mit verschiedenen Reden, Vorträgen, Rezensionen und Essays zur Sprache. Vor allem aber in seiner "empathischen" Auseinandersetzung mit Autoren wie Peter Handke, Alexander Kluge, Wolfgang Hildesheimer oder Jean Amery nähme die Sebaldsche "dokumentarische" Ästhetik Gestalt an, die von vornherein um die Themen Trauer, Erinnerung, Zerstörung kreiste, so Pfohlmann. Auch hier käme der "unverwechselbare Sebald-Sound" zum Klingen, der die Grenze zwischen Literatur und Wissenschaft so unnachahmlich aufhebe, was eben nicht nur für Sebalds Prosa, sondern auch für seine literaturwissenschaftlichen Texte gelte, schwärmt Pfohlmann.