Rezensent Rainer Moritz freut sich, dass man im Zuge des Trends zum autofiktionalen Schreiben nun auch Anne Paulys hierzulande mit ihrem bereits 2019 erschienenen literarischen Andenken an ihren Vater entdeckt hat. Ob es sich bei diesem Buch um Autofiktion handelt oder nicht, scheint sowohl der Autorin als auch ihrem Rezensenten ziemlich gleich zu sein. Eine Trittbrettfahrerin ist die Französin definitiv nicht. Ihr Buch steht mit seiner sehr gelungenen, ausgewogenen Mischung aus Trauer, Reflexion und Humor für sich, betont Moritz. Die Geschichte ist simpel, klassisch fast: Eine Frau muss nach dem Tod ihres Vaters gemeinsam mit ihren Geschwistern dessen Angelegenheiten regeln - Beerdigung, Entrümpelung, Trauerfeier und so weiter. Über diese Verwaltungsarbeit gerät sie langsam ins Erinnern, was ambivalente Gefühle auslöst, lesen wir. Dass dieser literarisch transzendierte Bewältigungsprozess nie in die Rührseligkeit kippt, ist auch dem Eigensinn, dem besonderen widerständigen Witz des Verstorbenen zu verdanken, sowie natürlich dem Talent dieser Autorin, die diesen Witz zu vermitteln weiß, so der berührte und amüsierte Rezensent.