Rezensentin Katharina Teutsch trifft sich mit Franzobel in dessen Wiener Wohnung zu Gugelhupf und Schnitzel, gesprochen wurde offenbar wenig, denn über das Gespräch erfahren wir kaum etwas. Das kommt der Kritik des neuen Romans zugute, den sich Teutsch sehr genau vornimmt: Jüngst tritt der österreichische Autor immer häufiger mit Romanen über den Kolonialismus hervor, im aktuellen widmet er sich der Grönland-Expedition des amerikanischen Abenteurers Robert Peary, der gemeinsam mit seinem afroamerikanischen Diener Matthew Henson zum Nordpol aufbrach. Wir lesen von körperlichen und psychischen Strapazen während der Exkursion ebenso wie vom Zusammentreffen zwischen den Amerikanern und den dort lebenden Inughuit - sechs Einheimische nimmt Peary mit nach Amerika, von denen vier kurz darauf starben, resümiert Teutsch. Im Mittelpunkt steht vor allem der neunjährige Minik, der Peary als "Forschungsobjekt" dient. Aber Franzobel erzählt nicht nur davon in einer Mischung aus Mitgefühl und bissiger Satire, sondern er spürt auch nach, wie die "Entdeckten" die Amerikaner beäugten. Es ist genau diese Integrität, beide Perspektiven einzubinden, die Teutsch dem Autor hoch anrechnet. Und so empfiehlt sie gern einen Roman, der mit bitterer Komik, mitunter auch mit Slapstick-Momenten davon erzählt, was solche kulturellen Exkursionen im Namen der Wissenschaft anrichten konnten.