Rezensentin Sylvia Staude fühlt sich von George Saunders literarisch zugezwinkert und zugleich ermahnt: Das "sonnenbeschienene Leben" zu schätzen, die eigene Handlungsmacht zu nutzen, und die Freiheit zu bewahren. Verantwortung, Handlungsfähigkeit, Ohnmacht und Manipulation sind die großen Themen, um die die Geschichten in George Saunders zweitem Buch "Tag der Befreiung" kreisen. Es sind beklemmende, düstere Geschichten über ferne und manchmal gar nicht so ferne Welten, in denen Entrechtete, "Ent-Individualisierte", oder Manipulierte - Show-Ghuls, Diener ohne Vergangenheit und Willen, Erzähl-Automaten oder wut-entzündete Väter - mit der eigenen Ohnmacht konfrontiert werden. Am Ende, so Staude, arrangieren sich die meisten mit ihrer Situation. Und doch tun sich bei Saunders immer wieder "Risse" auf, durch die ein Sonnenstrahl aus der Vergangenheit, eine Erinnerung, eine Ahnung die Gegenwarten neu beleuchten - ein "Hoffnungsschimmer" könnte man sagen, den Saunders Figuren ungenützt "verschimmern" lassen, nicht so jedoch die Leserschaft - hoffentlich, schließt Staude.