Sehr ausführlich bespricht Maike Albath den neuen Roman von Ocean Vuong, den sie mit nur winzigen Einschränkungen empfiehlt: Einmal mehr erkennt sie den Autor hinter seinem Helden, den 19-jährigen vietnamesischen Studienabbrecher Hai, der seine Mutter weiterhin glauben lässt, er studiere Medizin in Boston. Es ist aber nicht nur die Geschichte um Hai, der hochverschuldet ist, eine Medikamentenabhängigkeit und den Tod seines besten Freundes hinter sich hat, die Albath in den Bann zieht. Mitunter wird sie von den vielen "Mini-Roadmovies" im Roman mitgerissen, trifft auf eine Menge kurioser Gestalten, blickt vor allem aber auf die "dunkel schimmernden" Schattenseiten des modernen Amerikas: Die Kritikerin begegnet etwa einer dementen alten Frau, Schlachtern, die Death-Metal-Musik laufen lassen, um die Schreie der Schweine nicht zu hören, überhaupt Underdogs in Fabriken und Fastfoodketten. Mitunter fühlt sich Albath an Upton Sinclairs Roman "Der Dschungeln", aber auch an Dostojewskis "Brüder Karamasow" oder Corman McCarthys Roman "Verlorene" erinnert. Auch sprachlich überzeugt der Roman, mit Sinnlichkeit und Bildgewalt, und nicht zuletzt mit Vuongs lyrischem Verhältnis zur amerikanischen Sprache. Einige Wiederholungen oder sprachliche Dopplungen nerven die Rezensentin zwar, die sind aber weder den exzellten Übersetzern noch dem Lektorat anzukreiden, sondern dem Druck, den Roman zeitgleich in den USA und in Deutschland zu veröffentlichen, meint Albath.