Rezensent Natan Sznaider, Professor für Soziologie in Tel Aviv, eröffnet und schließt seine ausführliche Rezension zu Gabriele Tergits Palästina-Reportagen mit Zitaten der großen jüdischen Theoretikerin Hannah Arendt, um sowohl die Berührungspunkte der beiden Frauen und ihrer Biografien aufzuzeigen, als sie auch gegeneinander abzugrenzen. Gemein ist ihnen, abgesehen von der Herkunft natürlich und der Fluchterfahrung, die jüdische Perspektive und ihr ungemein klarer Blick aus dieser Perspektive auf die Gegenwart, sowie auch ein deutliches Bewusstsein dafür, "Teil einer jüdischen Tragödie" zu sein, so Sznaider. Dieses Bewusstsein präge Tergits Denken, jedoch ohne ihr den Humor zu rauben. Sie schreibt mit Witz, findet Sznaider, der ihre kurzen Reportagen als "Besuche bei Bekannten" beschreibt, deren Schicksale einem zugleich vertraut und doch unbekannt sei. Tergit braucht keinen großen theoretischen Überbau, um uns diese Bekannte auch heute, fast ein Jahrhundert später, näher zu bringen, denkt sich der mit den vom Schicksal gebeutelten Porträtierten mitfühlende Sznaider, darin unterscheide sie sich von Arendt.