Rezensentin Katharina Borchardt erinnert sich, angestoßen durch die Hemingway-Lektüre des Hauptprotagonisten in Cheon Myeong-kwans Roman, an die Eisberg-Theorie des US-Autoren Hemingway: Eine gute Geschichte dürfe nur ein Achtel ihres Stoffes auserzählen, den Rest müssten die Lesenden selbst ergänzen. Myeong-kwan hat sich leider nicht daran gehalten, bedauert die Rezensentin, im Gegenteil: Er zeigt sieben Achtel des Geschehens, lässt kaum etwas unausgesprochen und packt noch so viel oben drauf, dass der ganze Roman gehörig ins Wanken gerät: Eine Lovestory, eine Mordserie, eine Karriere im Porno-Business, einen Gangster-Thriller mixt die Autorin zusammen. Dabei hätte die Familiengeschichte, die nun vor allem Rahmenerzählung in einer Rahmenerzählung dient, für sich genommen durchaus Potenzial: Drei erwachsene Kinder kehren, nachdem sie alle auf ihre eigene Weise gescheitert sind oder sich in der Krise befinden, zurück in ihr Elternhaus, zur Mutter, fasst Borchardt zusammen. Myeong-kwan hat Humor und ein Talent für witzige Dialoge, lesen wir, doch statt diese vielversprechende Ausgangslage unterhaltsam auszugestalten, überlädt er sie mit allerlei erzählerischem Tand. Das Ergebnis: Völlige Überfrachtung und ein erheblicher Mangel an Tiefe, so das Resümee der enttäuschten Rezensentin.