Rezensent Hubert Winkels greift aus, um die Großartigkeit der schottischen Autorin Ali Smith deutlich zu machen, die bisher nicht so richtig bei deutschen Lesern angekommen ist. Winkels weiß, dass Meta-Literatur oft eher kühle Bewunderung als echte Liebe hervorruft, aber bei Smith spürt er ganz andere Wärmeströme. Das liege daran, meint Winkel, dass ihre hybriden Textverfahren durchaus dem Inhalt entsprechen. In "Herbst" erzählt sie von einem Hundertjährigen, der mit dem Besuch seiner jungen Vertrauten, einer Kunsthistorikerin, zu neuem Leben erwacht. Wo ist da zum Beispiel Anfang und wo Ende? Warum der Roman als Brexit-Roman gehandelt wird, ist Winkels schleierhaft. Er sieht ganz andere Referenzen, etwa an Ovids Metamorphosen, Shakespeares "Sturm", an Virginia Woolf und Charles Dickens. Nur eines gelinge der ambitionierten Smith nicht, bemerkt Winkels, ohne es der Autorin zu verübeln: Bilder in Literatur zu verwandeln.