Neuerdings, und das vorliegende Buch beweist dies aufs Neue, wie die Rezensentin Katharina Granzin erfreut bemerkt, schreibt Hakan Nesser Romane, "die deutlich über die Genregrenzen des Psychokrimis hinausweisen". In "Die Schatten und der Regen" kehren zwei Männer dreißig Jahre nach einem unaufgeklärten Mord an den Ort der Geschehnisse zurück, um - so Granzin - mit der Vergangenheit abzuschließen. Doch sie tun es nicht zusammen. Vielmehr erzählt jeder der Betroffenen seine eigene Version der vergangenen Ereignisse. Dabei gehe es Nesser nicht um die platte Gegenüberstellung von Wahrheiten, die die Existenz einer einzigen Wahrheit zur Utopie erklärt, sondern um die - trotzdem "recht philosophische" - Tatsache, dass sich in jeder persönlichen Erzählung eine "komplett andere Welt" eröffnet. Einzig der Leser, so Granzin, kann einen Einblick ins Ganze gewinnen, da es den Figuren nicht gegeben ist, miteinander wahrhaftig zu sprechen. "Sehr schön traurig ist das alles - und dabei äußerst spannend erzählt", lautet das Fazit der Rezensentin.