Rezensentin Maria Frisé ist dankbar, dass Janet Lewis' bereits 1941 veröffentlichter und inzwischen zweimal verfilmter Roman "Die Frau, die liebte" nun endlich auch in einer vorzüglichen Übersetzung von Susanne Höbel auf Deutsch vorliegt. Gebannt folgt die Kritikerin der wahren und von Lewis laut Frisé in "vollkommene Sprache" gekleideten Geschichte um die junge Bertrande de Rols, die im Jahre 1539 als Elfjährige mit dem gleichaltrigen, gewalttätigen Martin Guerre verheiratet wird, der, gedemütigt durch seinen Vater, den Hof bald verlässt und mutmaßlich in den Spanischen Krieg zieht. Jahre später taucht ein Fremder am Hof auf, der sich als liebevoller, geläuterter Martin ausgibt und zwei Kinder mit Bertrande zeugt - bis erste Zweifel, eine Gerichtsverhandlung und schließlich das Erscheinen des echten Martins das Spiel beenden, resümiert die Rezensentin. Nicht zuletzt lohnt die Lektüre aufgrund des instruktiven Nachworts von Judith Hermann, die viel Wissenswertes über die Lyrikerin und Literaturwissenschaftlerin Lewis zusammengetragen hat, schließt die Kritikerin.