Nach der Lektüre des Romans von Martin Mosebach kann niemand behaupten, er habe von nichts gewusst, ruft Rezensent Alexander Cammann. Denn in diesem "burlesken Kuppel-Kammerspiel" um den Maler Louis Creutz, der sich vor allem durch sein "exzessives Ego" auszeichnet, ahne der Leser von der ersten Seite an die Katastrophe. In einem zu Beginn eher gemächlichen "Parlando" entfaltet Mosebach die Geschichte um Creutz und Astrid, eine fünfundreißigjährige Schönheit, deren Hautton den Künstler so fasziniert, dass sie sein neues künstlerisches Objekt werden muss, erzählt der Kritiker. Der Maler, der seit Jahren nur "große weibliche Akte" malt, macht Astrid zu seinem Modell und verführt sie, obwohl sie eigentlich mit seinem Bekannten Dietrich liiert ist - ein Verbindung, die Creutz in diabolischem Kalkül selbst arrangiert hat. Mosebach blickt "angemessen böse", aber auch mit Humor und Ironie auf diese Figuren, deren Beziehungen sich durch Kälte, Kalkül und Verrat auszeichnen, lobt der Kritiker. Spannende Nebenfiguren und Plottwists gibt es auch, versichert er, außerdem symbolische Motive, die dem Text eine weitere, reizvolle Ebene verleihen. Der große Knall kommt dann am Ende, warnt Cammann: Alle Bedenken im Hinblick auf "Sensivity Reading" abwerfend, bekomme es der Leser mit der seitenlangen Beschreibung einer Fehlgeburt zu tun. Das hat man in der deutschen Literatur so noch nie gelesen, versichert der Kritiker, und überhaupt: Mosebach habe hier noch einmal "neue, verblüffende Höhen" seiner Schreibkunst erreicht.