In ihrer neuen Sammlung von Texten aus 60 Jahren macht Helga Schubert ein weibliches Leben in Deutschland, und damit ein Stück deutsche Geschichte erlebbar oder genauer gesagt: fühlbar, lobt Rezensent Gustav Seibt. Denn so divers diese Texte sein mögen, was Form, Inhalt und den historischen Kontext betrifft, die große Stärke dieser Autorin ist in allen und auch schon den ältesten Texten deutlich zu spüren: Die Reduktion auf das "Anschauliche", wie Seibt es ausdrückt. In eindringlichen Bildern erzählt sie etwa vom unheimlich plötzlichen Ende der Kindheit ihres Sohnes, als dieser zur Armee geht, oder dem so unterschiedlichen Tod ihrer Großmütter und immer wieder vom gelebten, aber auch dem nichtgelebten Leben in der DDR-Diktatur, die sie, im Gegensatz zu anderen Kritikern und Kritikerinnen wie Christa Wolf nicht nur reformieren, sondern rigorors und im Ganzen ablehnte. Wie sie durch diese Haltung zu einem "Opfer der Literatur" wurde, auch davon handelt einer ihrer Texte, der "giftigste" unter ihnen, erklärt Seibt. Doch, betont der Rezensent, Schuberts kritischer Blick richtet sich hier nicht nur auf die deutsche Vergangenheit. In einem dreißigseitigen Vortrag etwa schaut sie voller Hellsicht auch auf die gegenwärtigen Verhältnisse. Mit diesem Band gelingt Helga Schubert eine "sagenhafte Renaissance", so der begeisterte Rezensent.