Rezensent Claus Leggewie ist begeistert: So ausführlich und kenntnisreich hat er die Globalgeschichte des Kapitalismus bisher noch nicht erklärt bekommen: in einer gelungenen Mischung aus systemischer Analyse und anschaulichen Fallstudien. Geschickt zeige Lenger, die Probleme einseitiger Darstellungen der Dynamiken der Marktwirtschaft von Marx bis Schumpeter auf und betone außerdem die Verbindung zwischen Kapitalismus und Naturzerstörung, die mit global ungleich verteiltem Wohlstand einher gehe. Lenger zeichnet sechs Stadien der Entwicklung des globalen Kapitalismus nach, so Leggewie, die Geschichte setzt um 1400 mit europäischen Handelskapitalisten an und endet im Neoliberalismus. Die dazwischenliegenden Phasen installieren unter anderem ein ökonomisches Ungleichgewicht zwischen (globalem) Süden und (globalem) Norden, was unter anderem mit dem Sklavenhandel zu tun hat, dessen Rolle Lenger laut Rezensent differenziert bewertet: Als alleiniger take-off-Punkt des Kapitalismus habe er wohl nicht gedient, aber gleichzeitig sei die Dynamik der kapitalistischen Entwicklung ohne ihn kaum erklärbar. Optimistisch stimmt das Buch Leggewie keineswegs, dem Ausweg eines grünen Kapitalismus gibt Lenger wenig Chancen, andere historische Alternativen wie der Sozialismus sind gescheitert, beziehungsweise vom Kapitalismus erfolgreich integriert worden, um die Zukunft der Demokratie sieht es schlecht aus. Dennoch, wenn man überhaupt an eine bessere Zukunft glauben will, sollte man erst einmal Bescheid wissen und deshalb Bücher wie dieses lesen, empfiehlt der Kritiker.