Sprachlich mag Liz Moores Krimi nicht so originell sein, wie Rezensentin Katrin Doerksen es sich wünschen würde, und auch das Ende überrascht sie nur insofern, als dass alles noch ein bisschen "perfider" ist, als sie anfangs befürchten konnte. Und dennoch liest Doerksen "Der Gott des Waldes" mit Faszination und Neugier. Dass die wohlhabenden Eltern eines verschwundenen Kindes irgendwelchen Dreck am Stecken haben, dürfte klar sein, wenn Jahre später auch noch das zweite Kind verschwindet, am selben Ort. Spannung wird in diesem Roman also weniger über den Plot erzeugt, als über die Vielschichtigkeit und Vielstimmigkeit der Erzählung, lesen wir. Mit einem verlässlichen Gespür für Timing arrangiert Moore die Berichte diverser Figuren und verleiht ihnen dabei jeweils eine eigene Stimme, Perspektive und Geschichte, so Doerksen, die außerdem beeindruckt ist, wie es der Autorin gelingt, ein präzises Bild vom Handlungsort, seiner Atmosphäre und Räumlichkeit zu vermitteln, an der sich deutlich ein "soziales Gefälle ablesen lässt". Auch um dieses Gefälle, die ungleiche Verteilung von Recht und Freiheit, geht es in diesem lobenswerten Roman, so die wohlwollende Rezensentin.