Zufrieden zeigt sich dem hier rezensierenden Wolfgang Sofsky mit Otfried Höffes "Lebenskunst und Moral", das er als "Versuch einer Fundamentalethik" liest. Gern folgt er dem Philosophen, der sich einmal mehr mit den klassischen Fragen der Moralphilosophie befasst. Er sieht in dem Werk so etwas wie die Summe von Höffes Forschung. Zwar liefere sie nur wenige "materiale Empfehlungen", wohl aber "wichtige begriffliche Unterscheidungen, prüfbare Argumente und systematische Theoreme". Ausführlich referiert er Höffes Bemühungen, Aristoteles und Kant zu vermitteln und dabei eine originäre Position einzunehmen. Von der freiwilligen Erfüllung des moralisch Gebotenen ist die Rede, von moralischen Maximen und der Bedeutung des Selbstverständnisses von ethisch handelnden Personen. Höffe macht für Sofsky deutlich, dass ein moralisch gutes Leben für ein geglücktes Leben zwar nicht ausreichend, aber unverzichtbar ist, es mithin ohne Moral kein Glück gibt. Er begrüßt Höffes Insistieren auf der Aktualität der klassischen Ideen von Glück, Tugend, Freiheit und Autonomie gegenüber allen modischen Tendenzen. Allerdings hätte er sich ein wenig mehr über das Negative gewünscht. So bleiben Laster, Untugenden und Gleichgültigkeit zu seinem Bedauern unterbelichtet. Und das Böse, über das es immerhin ein kurzes Kapitel gibt, scheint Sofsky bei Höffe "begrifflich derart verengt, dass es aus der Realität nahezu verschwindet".