In dem kleinen Dorf Kall in der Eifel muss man nicht unbedingt leben, schaudert der Rezensent Martin Krumbholz, wenn er seine Eindrücke über Norbert Scheuers Prosaband "Kall, Eifel" zu fassen versucht. Der Autor selbst möchte sein Buch nicht unbedingt als Roman klassifiziert wissen, eher schon als lose verknüpfte Sammlung von Geschichten, die sich um die vom Schicksal geplagten etwa zwei Dutzend Figuren, vom Schuhhändler bis zum Fischzüchter, drehen. "Glück", "Liebe", "Hochzeit", "Ameisen", "Hecht", "Kalbskopf": die Kapitelüberschriften vermischen Menschliches mit Tierischem und das sei nicht verwunderlich, findet Krumbholz. Er fühlt sich geneigt das Buch als "Panorama über das Leben in der Provinz" zu bezeichnen. Es sei gezeichnet von den "körperlichen und seelischen Beschädigungen" seiner Figuren, von den "Defiziten des Lebens". Gleichzeitig strahle es aber eine "empathische Wärme", entwerfe "Fluchtpunkte, Utopien, Glücksmomente", so dass sich Krumbholz geneigt fühlt eine präzisere Definition für das Dorf-Panorama zu finden und nennt es schließlich "Kaleidoskop einer rustikalen Gesellschaft". Auch die nüchterne, knappe und präzise Sprache des Autors mag daran nichts ändern, dass der Autor Kall zu einem "wahren Platz" verdichte, den "man förmlich riechen" könne, resümiert Krumbholz.