Einen nüchternen Blick auf Russland in Zeiten imperialer Kriege wirft Marcus M. Keupp laut Rezensent Thomas Speckmann. Der Autor argumentiert, dass Russland sich zwar wirtschaftlich mehr und mehr vom Weltmarkt abkoppele, daraus jedoch nicht folgt, dass das Regime geschwächt wird - vielmehr wird es sogar gestärkt, da sich die lokale Wirtschaft auf niedrigem Niveau selbst tragen kann, zumindest solange in dem nach wie vor von Rohstoffexporten abhängigen Land der Ölpreis mitmacht. Ein Ende der Kriegswirtschaft kann sich Russland jedoch in Keupps Augen auf die Dauer nicht leisten, der Krieg ist der einzige Wachstumstreiber, deshalb muss er weitergeführt werden, mittelfristig nicht unbedingt in der Ukraine, sondern vielleicht eher in abgelegeneren Ländern Zentralasiens. Die imperiale Weltsicht wird Russland jedenfalls nicht so schnell aufgeben, so Speckmann mit Keupp, für den Westen heißt das, dass er, was ja auch bereits geschieht, sich von der Appeasementpolitik der Vergangenheit verabschieden und den Ukrainekrieg als das betrachten muss, was er ist: als den Konfikt zweier grundverschiedener Vorstellungen über die Welt. Illusionen darf man sich über das russische Handeln jedenfalls nicht mehr machen, lernt Speckmann von diesem klug argumentierten Buch.