Einem gewohnt nüchternem, dabei besonders "stoischem" Abdulrazak Gurnah begegnet Rezensentin Sylvia Staude in dessen neuntem Roman. Auch diesmal widme sich der Literaturnobelpreisträger seinem "großen Thema", der Macht der Erinnerung, die auch zu fatalen Fehldeutungen führen kann: Es geht um den jungen Salim, dessen Vater Masud in Sansibar eines Tages die Familie verlässt - und das nicht, wie der siebenjährige Salim glaubt, weil er ihn nicht will, sondern, wie sich erst Jahre später herausstellt, in Folge von Erpressung. Wie Gurnah von dieser Entdeckung des älteren, mittlerweile im liberalen London der siebziger Jahre studierenden Salim erzählt, von der doppelten Entfremdung in Bezug auf die dortige Studierendenszene und die religiöse Enge als Kind in Sansibar, scheint die Kritikerin spannend zu finden. Sprachlich falle der Roman hingegen wenig abenteuerlich aus, schreite "schnörkellos" und in "gelassener Stetigkeit" voran - wobei genau diese Nüchternheit aber manchmal Sätze hervorbringe, die sich einprägen "wie Hammerschläge auf weichem Holz", lobt Staude abschließend.