Für Roman Bucheli ruft Charles Lewinskys Roman ein "moralisch-ästhetisches Dilemma" auf, das die Darstellung selbst sehr eindrücklich thematisiert. Hauptperson ist der Schauspieler, Sänger und Regisseur Kurt Gerron, der vom Kommandanten des KZ Theresienstadt den Auftrag erhält, einen propagandistischen Dokumentarfilm über das Lager zu drehen. In den drei Tagen, in denen Gerron sich überlegen soll, ob er den Auftrag annimmt, erinnert er sich an sein bisheriges Leben und schildert das Grauen des KZ-Alltags, erfahren wir. Hier wirft sich die Frage nach der Legitimität der Fiktionalisierung des Grauens auf, die der Autor dadurch zu lösen sucht, dass er fast die gesamte Handlung in den Kopf Gerrons verlegt. Das ist für Bucheli zugleich ein geschickter Schachzug wie ein erzählerisches Manko, weil darunter in seinen Augen die "Unmittelbarkeit" des Geschehens leidet. Als versierter Schriftsteller weiß Lewinsky dieses Erzählprinzip allerdings immer wieder wohldosiert zu durchbrechen, stellt der Rezensent eingenommen fest, wie er auch findet, dass der Autor ein fantastischer Charakterzeichner ist und zudem sehr anschaulich von "Nebenschauplätzen" wie der Berliner Theaterszene zu erzählen weiß.