Gekonnt verbindet die omanische Autorin Jokha Alharthi in ihrem Roman "Märchenhaftes und Moderne", findet Rezensent Carsten Hueck. Sie erzählt anhand der Schicksale der Schwestern Chaula, Asma und Mayya, die im fiktiven Dorf al-Awafi leben, den Wandel des Omans im 20. Jahrhundert und den Übergang von einer Stammes- und Sklavenhaltergesellschaft zum modernen Staat. Auf reizvolle Weise verbindet sie dabei verschiedene Elemente aus, beispielsweise, der arabischen Dichtkunst, Familienroman und Dorfgeschichte. Der Kontrast zwischen der alten Welt und der neuen, BMWs werden gefahren und Videospiele gespielt während im Hof noch Tiere geschlachtet werden, wird dem Rezensenten aus unterschiedlichen Perspektiven vor Augen geführt, was ein "dichtes, multiperspektivisches Textgewebe" erzeugt, dessen erzählerische Fäden Alharti zuweilen auch bis nach Kanada oder Kairo ausweitet. Starke Visualität und Sinnlichkeit tragen das Übrige zu einer faszinierenden Lektüre bei, die Hueck von Herzen empfiehlt.