Rezensent Tilman Spreckelsen liest mit "Wachs" einen biografischen Roman, der noch lange nachhallt. Wenig ist über Marie Biheron bekannt. Umso spannender, nun über die unaufhaltsame, frühreife, sympathische und "durchaus manipulative" französische Wachsbildnerin und ihre Zeit zu lesen, findet Spreckelsen. Doch Wunnicke gelingt mehr als nur eine packende biografische Geschichte, so der Rezensent. Sie erzählt bewundernswert effizient, scheinbar schlicht, tatsächlich aber mit viel Witz und subtiler Raffinesse. Wenn sie sich auf Literatur und Kunst des 18. Jahrhunderts bezieht, oder Diskurse aufgreift, etwa verschiedene Naturauffassungen und Menschenbilder einander "beleuchten lässt", wie Spreckelsen es ausdrückt, so tut sie dies ohne aufdringliche, angestrengte Gelehrsamkeit, sondern auf die eleganteste, anschaulichste Weise, etwa durch das fantastische Bild am Ende des Romans: Biherons Affe, der sich ihre wächsernen Heiligenfiguren in den Leib stopft. Durch solche Anspielungen, Sinnbilder, Anekdoten öffnet die Autorin einen Hallraum, in dem sehr viel mehr zum Klingen kommt, als die bloße Handlung, so der bewundernde Rezensent.