Bevor Rezensent Bernhard Heckler überhaupt zum neuen Roman kommt, feiert er den Autor Martin Suter erst einmal als Gesamtkunstwerk. Der Autor, der wie kein Zweiter Marketing, Literatur und Selbstinszenierung zu einem schweizerisch-präzisen Produkt verbindet, ist für Heckler das eigentliche Ereignis. Ob Business-Class-Kolumne, VIP-Mitgliedschaften auf der eigenen Website oder Bestseller-Kooperationen mit Promis wie Bastian Schweinsteiger - Suter beherrscht die Spielregeln des Markts mit routinierter Eleganz, staunt der Kritiker. Sein neuer Roman? Fast nebensächlich, "halb Kunstkrimi, halb Kochshow". Natürlich ein Erfolg, natürlich flüssig geschrieben, natürlich mit literarisch temperiertem Ossobuco, huldigt Heckler. Dass der Inhalt dabei gelegentlich seifig wirkt? Geschenkt, meint der Kritiker. Wer so souverän zwischen Hoch- und Unterhaltungskultur tanzt, darf sich ruhig mal selbst zum "Pappaufsteller" im Thalia stilisieren, schließt der berauschte Heckler.