War die Figur des Vaters in Urs Widmers letztem Roman "Der Geliebte der Mutter" noch ein "konsequent blinder Fleck", so antwortet "Das Buch des Vaters" wie eine "Spiegelgeschichte" auf diese Abwesenheit, erklärt der beeindruckte Rezensent Sebastian Domsch. Nach seiner Ansicht ist dieses Buch noch besser - weil "widmerscher" - als das letzte. Auch weil hier die Grenze zwischen Autobiografischem und "skurriler" Fiktion deutlicher ins Schwimmen geraten. Denn das Dorf des Vaters, so der Rezensent, ist eines, in dem soviel Särge vor der Haustür stehen, wie es Bewohner hat, eines, in dem jedes Kind ein leeres Buch geschenkt bekommt, um darin sein Leben aufzuschreiben, und es seinen Kindern zu vererben. Das Buch des Vaters bekomme der erzählende Sohn nur flüchtig zu sehen bevor es verschwinde, und er müsse infolgedessen den Verlust mit seiner Erzählung ausgleichen. Das klingt reichlich postmodern, meint der Rezensent, doch Widmer geht damit so "zurückhaltend" um, so "sparsam" und trotzdem "meisterhaft", dass es einfach "großartig" zu lesen ist. Beide Spiegelbücher, so Domsch, funktionieren wie ein "literarischer Reißverschluss", wie ein "komplexes Puzzle mit nur zwei Teilen". Der Roman, der sich daraus ergebe, sei "größer als die Summe seiner Teile", und erzeuge ein "unauslotbares Spannungsfeld", das der in beiden Büchern versuchten "erzählerischen Rekonstruktion" eine Absage erteile.