Sein letzter, 'nur' 450 Seiten starke Roman legte nahe, John Irving würde sich in Zukunft kürzer fassen, schickt der Rezensent Gerrit Bartels vorweg. Doch nichts da! Mit "Bis ich dich finde" lege Irving nun das längste Buch seiner Schriftsteller-Laufbahn vor. Und nicht nur das: Es ist auch das autobiografischste und stringenteste, findet der Rezensent, der von dem Roman völlig hingerissen ist. Auch hier geht wieder jemand auf die Suche, in diesem Fall auf die Suche nach dem Vater, auf die sich der junge Jack Burns und seine Mutter schon gleich zu Anfang begeben. Dieser Anfang gerät Irving ein wenig schleppend, wie der Rezensent findet, doch dann entwickele der "genau durchkomponierte" Roman regelrechte "Seitenverschlinger-Qualitäten" und beweise erneut, wie gewandt Irving tragische oder schwere Situationen schnörkellos und unterhaltsam darstellen könne. In der Figur des Jack Burns, der auf eine Mädchenschule geschickt wird und später zum Hollywood-Schauspieler avanciert, verbinden sich "ausgeprägte Ich-Störungen" mit einem "ausgeprägten Ego", eine "ausgeprägte Sehnsucht nach tragfähigen Beziehungen" mit einer "ausgeprägten Beziehungsunfähigkeit", erklärt der begeisterte Rezensent. Obendrein wimmelt der Roman nur so vor hinreißenden Szenen, die förmlich danach schreien, verfilmt zu werden, so Bartels. Gefallen hat ihm auch, dass Irving - wie üblich - die Historie ignoriere und ein eigenes Erzähluniversum erschaffe. Nur das Happy End erscheint dem Rezensenten "eher schwach" und sogar "verzichtbar".