Aus der Sparte "junge deutsche Literatur mit Biss und Haltung" gibt es gute Neuigkeiten, meldet der Rezensent Jochen Förster. Denn Jakob Arjouni war schon immer gut, aber damit nicht genug, er wird immer besser. Denn für den Rezensenten ist "Hausaufgaben", die Geschichte um den Lehrer Joachim Linde, eindeutig Arjounis bisher bestes Buch, und dies aus drei Gründen. Einmal, weil Arjounis Konzept besser ausgearbeitet sei, dann, weil er sich mit seinem Gegenstand - der selbstgerechten, pseudo-lebenslustigen und Freiheit dozierenden Linksbürgerlichkeit - hervorragend auskenne und somit "feiner ziselieren" könne, und schließlich, weil er die dazu "passende Perspektive" (die Erzählung in der dritten Person) gefunden habe. Linde, durch und durch Pädagoge, wähne sich als Opfer seiner familiären Situation (hysterische Frau, frauenloser Sohn und suizidgefährdete Tochter), deren Krise er jedoch mitbegründet habe. Diese weite sich endgültig zum Familienfiasko aus, als eine Schulstunde zum Thema "Drittes Reich" aus den Fugen gerät, und es aus allen Ecken Anschuldigungen und mehr oder weniger handgreifliche Übergriffe auf Linde regnet. Mit "Hausaufgaben", der Aufdeckung einer routinierten und blinden "politisch korrekten Heuchelei", ist Arjouni eine "brillante Innenansicht pädagogischer Uneigentlichkeit" gelungen, "sein relevantester Roman und sein feinster".