Angetan zeigt sich Hannelore Schlaffer von Christoph Martin Wielands Roman "Agathodämon" aus dem Jahr 1799, der nun in einer neuen Ausgabe vorliegt. Bei aller Harmonie des skizzierten Weltbilds, bei aller Harmonie von Sprache und Rhythmus, die das Buch auszeichnet, sieht sie darin eine ebenso polemische wie poetische Streitschrift gegen das Christentum, einen literarischen Beitrag des Aufklärers Wieland zum damaligen Atheismusstreit. In der atmosphärischen Lebensbeichte des 96-jährigen Agathodämon findet sie eine Fülle von Reflexionen über die Entstehung von Sagen und Wundern, über Wahrheit und Betrug in Religion und Politik, die auch in der "gegenwärtigen Epoche der religiösen Ratlosigkeit und Bastelei eine Aufhellung des Verstandes" bewirken können. Allerdings verschweigt sie nicht, dass Wielands Werk, um wirklich verstanden zu werden, eine Bildung voraussetzt, "wie sie kaum mehr zu finden ist". In diesem Zusammenhang lobt sie das Vorwort von Jan Philipp Reemtsma, die Kommentare zu einzelnen Stellen und den Glossar, die dem Leser "über viele Verständnisschwierigkeiten" hinweg helfen.