Als politisch "brisant" bezeichnet Rezensentin Anke Dörsam den Debütroman von Anna Yeliz Schentke. Vor dem Hintergrund der Proteste in der Türkei 2013 und 2016 erzählt "Kangal" von der Studentin Dilek, die ihren Freund Tekin bald verlassen wird, um aus Istanbul zu ihrer Cousine Ayla nach Frankfurt auszuwandern. Dabei geht es um den Widerstand, der sich im Netz organisiert und an dem die drei Figuren teilhaben - "Kangal" bedeutet Hirtenhund und ist Dileks Deckname im Untergrund. Aber nicht nur inhaltlich, sondern auch formal und sprachlich erzeugt der Roman seine "Relevanz", betont Dörsam: wie durch Auslassungen und Sprünge in den Kommunikationswegen zwecks Verschlüsselung, durch wechselnde Telefonnummern eine "Vogelperspektive" erzeugt werde, die aber nie einen kohärenten Überblick gewährleiste, findet Dörsam beeindruckend, und lobt auch, wie Schentke die Geschichten der drei Hauptfiguren wie in einem "Zopf" ineinanderflechte. So sei der Roman nicht nur politisch brisant, sondern in seiner Erzählweise auch ganz "auf der Höhe seiner Zeit".