Rezensentin Renate Schostack zeigt sich tief beeindruckt von Alice Munros Erzählungen, in deren Mittelpunkt Frauen stehen, die ihrer Rolle als Mutter nicht gerecht werden. Es geht laut Schostack um das "kleine Unglück, in das sich Menschen hineinmanövrieren, wenn sie vom Glück träumen". Wie die Rezensentin ausführt, stürzen sich Munros Heldinnen Hals über Kopf in die Ehe, empfinden sie dann als Einengung und laufen prompt wieder davon. Das könnte banal sein. Ist es aber, wie Schostack versichert, dank der "erzählerischen und sprachlichen Kunst" der Autorin überhaupt nicht. Munro verstehe es, mit Zeit- und Handlungssprüngen, mit "offenen schwebenden Enden", mit Mehrdeutigkeiten, dem Leben ihrer Protagonisten eine "Aura des Geheimnisses" zu verleihen. Dabei, so die Rezensentin anerkennend, erlaube sie sich niemals eine vordergründige Symbolik, ihr Ton sei von einer fast knochentrockenen Beiläufigkeit, welchem auch die Übersetzung von Heidi Zerning vortrefflich gerecht werde.