Für Rezensentin Iris Radisch ist die amerikanische Lyrikerin Emily Dickinson "eine der rätselhaftesten Autorinnen, die je gelebt haben". Umso mehr freut sie sich, dass Gunhild Kübler aus den zahlreichen Briefen, die Dickinson hinterlassen hat, 270 ausgewählt und zu einem Band zusammengefasst hat, der zudem "vorzüglich kommentiert" ist. Dass sich in Dickinsons Leben so manches Drama abgespielt hat, könne man erkennen, doch worin dieses Drama liegt, bleibe Spekulation. Denn die Briefe im "atemlosen Flatterstil" ähnelten den Gedichten der Amerikanerin, "verstörend und majestätisch", meint die Kritikerin. Erschütternd findet sie die "Dunkelheit" in den Texten, die "Kniefälligkeit der verstörten höheren Tochter", wie sie zum Beispiel in einem Brief an einen unbekannten Mann zum Ausdruck komme. Doch diesen Eindruck macht die Autorin ihrer Meinung nach schnell wieder wett: durch das "Anarchische und Himmelsstürmende" ihrer Briefe.