Keine Ironie, keinen Humor, kein Turteln, und keine melancholischen Klagen enthält Senthuran Varatharajahs "Vor der Zunahme der Zeichen", erklärt Rezensentin Marie Schmidt, es ist vielmer die moderne Version eines Briefromans. Für rührselige Flüchtlingsdebatten unbrauchbar, aber darum nicht minder bewundernswürdig, lobt sie. In einer strengen und beherrschten Sprache lasse Autor Senthuran Varatharajah seine beiden Protagonisten assoziativ Erinnerungen, Ideen und Gedanken austauschen und ihre Erfahrungen als Migranten in einem wenig gastfreundlichen Land vergleichen. Ihre sich langsam entwickelnde Beziehung ist real, aber existiert nicht auf der körperlichen Ebene, sie besteht viel mehr aus Zeichen, lesen wir, so wie die ganze dem Menschen zugängliche und kommunizierbare Welt aus Bildern und Sprache bestehe. Die Originale, das Bezeichnete verschwindet dahinter, es entsteht das Gefühl einer sprachlich nicht fassbaren Leere in der Mitte der Dinge, so Schmidt weiter. Mit dieser Leere, der "Mangelhaftigkeit der Zeichen" versuchen Varatharajahs Protagonisten umzugehen. Die Rezensentin ist schlicht beeindruckt.