Dass der Autor "den scheinbar längst versunkenen Titel des `Privatgelehrten` zu neuem Ansehen" brachte, so Volker Gerhardt, hat natürlich damit zu tun, dass er weder in Heidelberg, wo er lebte, noch in Athen zu akademischen Ehren kam. Dafür macht Gerhardt die "souverän alle Fachgrenzen überschreitende Intellektualität" des Philosophen verantwortlich, der an einer missglückten Operation noch vor Endredaktion dieses Buches, das als dreibändiges geplant war, starb. Kondylis` Ansatzpunkt für seine "Sozialontologie" ist eine gründliche und polemisch pointierte "sorgfältige Prüfung der überlieferten" soziologischen, ökonomischen und philosophischen Ansätze der letzten zweihundert Jahre, die sich der für Kondylis entscheidenden Frage, "was Gesellschaft qua Gesellschaft eigentlich ist", aus Angst vor der "Metaphysik" allesamt verweigert haben. Gerhardt kritisiert zwar zu Beginn den kritisch gemeinten Begriff der "Massendemokratie", da Kondylis keine Hinweise zur Überwindung ihrer Mängel gibt. Aber der Ansatz, als fundamentale Gesellschaftlichkeit den "Prozess des Handels selbst", der sich zudem immer in "Gegenseitigkeit" entfaltet, anzusehen und nicht etwa Sprache und Sprachanalyse, haben den Rezensenten offenbar vollkommen überzeugt. Kondylis zeigt seiner Meinung nach die überall zeitgeistig wirksamen, positivistischen Verkürzungen des Gesellschaftsbegriffs auf und stellt ihnen eine Ontologie des Sozialen gegenüber. Ein "bedeutendes Buch".