Ausgangspunkt von Ayelet Gundar-Goshens Romans ist eine Lüge - vorausgesetzt das Verschweigen der Wahrheit ist gleichzusetzen mit Lüge, erklärt Rezensent Carsten Hueck, der die israelische Autorin in Tel Aviv getroffen hat. Ein junges Mädchen, das sich nach Anerkennung und Zuneigung sehnt, wird in der Eisdiele, wo es arbeitet, beschimpft, rennt daraufhin wütend davon, der griesgrämige Kunde, der glaubt, sie gehe mit seinem Wechselgeld stiften, verfolgt sie, hält sie fest und schon ist es da - das bekannte Bild: ein älterer Mann belästigt eine junge Frau. Die junge Frau steht nun vor der Entscheidung - Schweigen oder die Wahrheit sprechen. Sie entscheidet sich für ersteres. Die Art und Weise wie Gundar-Goshen die Herausforderung solcher Situationen für den Leser nachvollziehbar macht, gehört für Hueck zu den Stärken dieses Romans. Spannend, amüsant und den politischen Aspekt immer mitdenkend, so schreibt er, entfaltet die Autorin ein ganzes Panorama der Lügen-Arten und ihrer jeweiligen, individuellen Entstehungsbedingungen. Ein mitreißender und wunderbar geschriebener Roman, lobt der begeisterte Rezensent.