Rezensent Alex Rühle spürt nach der aufschlussreichen Lektüre von Verena Friederike Hasels "Das krisenfeste Kind" so richtig Lust aufs Lernen - und mehr noch: Selten hatte der Rezensent ein so drängendes Bedürfnis, mal so richtig aufzuräumen im deutschen Schulsystem. Dieses Bedürfnis schafft die Autorin nicht etwa durch nörglerische Kritik am hiesigen System, sondern indem sie ein positives Gegenbeispiel empirisch schildert. Etliche Unterrichtsstunden hat die Berliner Psychologin und Journalistin in Finnland besucht, weiß Rühle - ihre Beobachtungen und Erkenntnisse beschreibt sie in ihrem Buch auf eindrückliche und absolut überzeugende Weise. Um nur eines von vielen Beispielen dafür zu nennen, was die Finnen und Finninnen besser machen: hier wird wesentlich mehr für Bildungsgerechtigkeit getan als in Deutschland, Einkommensunterschiede werden etwa dadurch ausgeglichen, dass nötige Utensilien von der Schule gestellt werden. Was Hasel allerdings nicht erwähnt: Dass laut Pisa Studie die soziale Herkunft der Kinder auch in Finnland ein immer größerer Faktor wird. Derartige Relativierungen lässt die Autorin bedauerlicherweise generell lieber aus, obwohl sie ihrer Studie nichts an Überzeugungskraft genommen hätten. Unbedingt lesenswert ist dieses Buch trotzdem, so der motivierte Rezensent.