Rezensent Niklas Bender empfiehlt mit Nachdruck die Wiederentdeckung von Charles Nodiers Roman über den Räuber Jean Sbogar, nun in überarbeiteter Übersetzung erhältlich. Der Titelheld, ein romantischer Outlaw mit zwiegespaltener Identität, steht exemplarisch für eine französische Romantik, die in Deutschland lange unterschätzt wurde, lesen wir. In "kraftvoll und freimütig" formulierten Gedanken lebt Sbogar als der romantische Prototyp als gesellschaftlicher Außenseiter mit einer leidenschaftlichen Hingabe zur Natur. Die kränkelnde Adelige Antonia de Monteleone, die in Triest zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein unglückliches Leben führt, begegnet dem edlen Räuber, der sein Aussehen allerdings stets verbirgt. Um weiteres Unglück zu vermeiden, wird Antonioa von ihrer Halbschwester nach Venedig gebracht, wo sie sich in den geheimnisvollen Lothario verliebt, der ihre Hand allerdings ausschlägt. Dramatische Ereignisse folgen, verrät uns der Rezensent, denn hinter Lothario verbirgt sich natürlich der Bandit Sbogar. Nodier entfaltet seine Geschichte in eindrucksvollen Tableaus des Wahnsinns und Verlusts, die im Kontrast zu den idyllischen Naturbildern Venedigs stehen. Besonders hebt Bender hervor, dass die Verlegerin und Übersetzerin Alexandra Beilharz ein zentrales Kapitel zugänglich macht, das ältere Übersetzungen weggelassen hatten, "stilistisch überzeugend" findet Bender ihre Arbeit außerdem. Nodiers Werk, stilistisch gemessen, sei nicht nur literaturhistorisch relevant, sondern auch erzählerisch fesselnd, bekräftigt der Rezensent abschließend.