Rezensent Ronald Düker wird von Giuliano da Empoli im ehrwürdigen Gallimard-Verlagsgebäude empfangen, um mit dem Politologen, Sachbuchautor, Thinktank-Gründer und Berater des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi über dessen in Frankreich gefeierten Roman "Der Magier im Kreml" zu sprechen. Jener Magier, das ist Wladislaw Surkow, russischer Schriftsteller und Theatermann, vor allem aber bis 2020 Berater von Wladimir Putin, von einigen auch als "Putins Rasputin" oder "Architekt des Putinismus" bezeichnet, klärt uns der Kritiker auf. Surkow soll über Jahrzehnte hinweg als Strippenzieher im Kreml agiert haben, baute Putins Partei ebenso wie die Oppositionsparteien mit auf, um diese als "nützliche Idioten" zu installieren, erfahren wir. Im Februar 2020 wurde er von Putin gefeuert, derzeit ist er spurlos verschwunden. Stoff genug für ein spannendes Sachbuch, meint der Kritiker. Warum schrieb Empoli, der sich auch als Experte für Populimus und Propaganda einen Namen machte, dann einen Roman? Um Surkow in den Kopf zu schauen, ihm literarisch näher zu rücken, verrät der Autor dem Kritiker - und der hat nichts einzuwenden: Denn herausgekommen ist hervorragend erzählter "Pageturner" mit einem so abgründigen wie lebendigen Helden, aber auch reich an Sachkenntnis, versichert Düker. Und wie Surkow durch Propaganda, Falschmeldungen und Chaos die russische Postmoderne schuf, erfährt der Kritiker hier auch.