In Frankreich ist Camille Laurens längst hoch angesehen, jetzt wird es Zeit, sie auch in Deutschland zu entdecken, hält Rezensent Rainer Moritz nach der Lektüre eines Romans fest, der sich der Frage widmet, was Identität eigentlich ist. Die Protagonistin Claire Millecam begegnet dem Kritiker als Psychiatriepatientin mit mehreren Identitätsschichten: Ihre Verletzungen bespricht sie mit ihrem Psychiater, der später auch aus einem Manuskript liest, das sie in der Schreibwerkstatt verfasst hat und in dem sie über eine Beziehung mit einem jüngeren Mann schreibt. Unter falscher Identität als halb so alte Frau hatte sie sich nach dem Auseinanderbrechen ihrer Beziehung zu Joel eine fruchtbare Beziehung mit dessen Freund begonnen, allerdings nur im digitalen Raum und als angeblich sehr viel jüngere Frau. Jetzt schreibt sie darüber, als hätte sie in Echt eine glückende Beziehung zu ihm, was durchaus verwirrend ist, wie Moritz einräumt. Ihm gefällt aber diese Übermalungstechnik ebenso wie Laurens' bissige Bemerkungen über die Behandlung von Frauen um die 50.