Mit größter Skepsis hat Felicitas von Lovenberg diesen Briefroman aufgeschlagen, um sich dann doch von ihm einfangen zu lassen. Denn weder die Informationen des Klappentextes, es handele sich um das Romandebüt einer 70-jährigen "ehemaligen Buchhändlerin und Bibliothekarin" noch die Empfehlung eines guten Freundes, es sei ein "zauberhafter" Roman, haben sie zunächst überzeugt. Doch sie muss zugeben, dass Mary Ann Shaffers Roman um die Journalistin Juliet, die auf einen Club der Kanalinsel Guernsey stößt, der sich in der entbehrungsreichen Kriegs- und Besatzungszeit, mit Lektüre über Wasser hielt, wenn schon kein "literarisches Meisterwerk", dann doch ein hinreißender Roman ist. Das liegt vor allem an den plastischen Charakterzeichnungen der exzentrischen Figuren und am gekonnten Durchhalten der Briefform, wie Lovenberg preist, die deshalb auch das "Körnchen Rosamunde Pilcher" verzeiht, das in der Liebesgeschichte mit Happy End um die Hauptfigur zum Vorschein kommt.